Keine Lust auf Sex? Was das für eure Partnerschaft bedeutet

Aktualisiert: Apr 23


Du hast keine Lust auf Sex und fragst dich, was mit eurer Beziehung nicht stimmt?


Im Idealfall kannst du dich noch genau daran erinnern, wie stark am Anfang eurer Beziehung eure Leidenschaft und euer Verlangen war. Jetzt ertappst du dich immer öfter dabei, wie du masturbierst oder dir Pornos anschaust, aber dein Partner oder deine Partnerin nur noch wenig sexuelle Anziehungskraft auf dich ausübt.


Vielleicht haderst du auch damit, dass gar nicht deine Libido an sich weg ist, aber du einfach wesentlich weniger bis gar kein Verlangen nach dem Menschen hast, mit dem du am meisten Zeit verbringst?


Ist es normal, keine Lust auf Sex zu haben?


Mir ist kürzlich ein sehr spannendes Buch in die Hände gefallen, und zwar „Intimität und Verlangen – Sexuelle Leidenschaft in dauerhaften Beziehungen“ von David Schnarch.


Der Amerikaner David Schnarch gilt als Pionier der Sexualtherapie und hat festgestellt, dass es in jeder Beziehung einen Partner mit schwachem und einen mit stärkerem Verlangen gibt.


Der Partner mit dem schwachen Verlangen kontrolliert IMMER den Sex.

Egal, welche Rolle du in deiner Partnerschaft innehast: Schnarch vertritt die Auffassung, dass Sex keineswegs eine natürliche Funktion ist. Es ist also überhaupt nicht normal, dass ihr verrückt nacheinander seid, nur weil ihr euch liebt.


Keine Lust auf Sex zu haben, ist für beide Partner belastend


Wenn du glaubst, dass mit eurer Beziehung etwas nicht stimmt, weil die Leidenschaft verschwunden ist, setzt du dich ganz schön unter Druck. Es können Minderwertigkeitskomplexe, Unzulänglichkeitsgefühle und Unzufriedenheit auftreten.


  • Wenn du der Partner oder die Partnerin mit dem schwächeren Verlangen bist, fühlst du dich, als ob du das Problem in eurer Beziehung bist – und höchstwahrscheinlich denkt das dein Partner auch. Es ist eine unleidliche Rolle, keine Lust auf Sex zu haben.

  • Doch auch der Partner mit dem stärkeren Verlangen hat eine schwierige Position inne. Dieses ist oft erst auf den zweiten Blick ersichtlich. Denn wie fühlst du dich, wenn dein/e Partner/in offensichtlich keinen oder nur sehr wenig Sex mit dir will? Höchstwahrscheinlich fühlst du dich nicht sexy oder anziehend genug und denkst, dass mit dir irgendetwas nicht stimmt, denn ansonsten würde dich dein/e Partner/in ja begehren.


Was ist nun die Lösung?


Dein sexuelles Verlangen als natürlichen biologischen Trieb zu sehen? Dies bringt leider erneute Probleme mit sich. Denn wie fühlst du dich, wenn dein Partner mit dir nur seinen biologischen Trieb befriedigen möchte? Insbesondere für den Partner mit dem schwächeren Verlangen wirkt sich dies garantiert nicht positiv auf die Libido aus.


Keine Lust auf Sex? Warum „Just do it“ nicht funktioniert


Es klingt so einfach: Kann sich der Partner mit dem schwächeren Verlangen nicht einfach zum Sex zwingen, in der Hoffnung, dass die Lust daran schon kommt? Tatsächlich empfehlen viele Paartherapeuten diesen Ansatz, obwohl er äußerst problematisch ist.

  • Angenommen, du bist der verlangensschwächere Partner. Wie fühlst du dich, wenn dein Therapeut dir sagt, „Schlafen Sie doch einfach mit Ihrem Partner, selbst wenn Sie ihn nicht begehren?“ Und wie soll dieses Vorhaben in der Praxis gelingen? In der Regel leidet der Partner mit dem schwächeren Verlangen darunter und hat sich garantiert schon mehrfach zum Sex gezwungen – wahrscheinlich gerade in der Hoffnung, dass der Spaß mit dem Tun kommt.

  • Aber auch dem verlangensstärkeren Partner macht Sex wenig Spaß, wenn das Gegenüber eigentlich gar keine Lust darauf hat.

Keine Lust auf Sex zu haben oder Lust zu haben ist beides okay


Übrigens gibt es keinen „besseren“ oder „schlechteren“ Part. Nur weil du in der Beziehung der verlangensschwächere Partner bist, heißt das nicht, dass du generell keine oder wenig Lust auf Intimität hast. Oftmals hast du einfach keine Lust auf deine Partnerin oder deinen Partner - auch wenn das erstmal hart klingt.


Jetzt wo du weißt, dass sowohl starkes als auch schwächeres Verlangen total normal ist, kannst du aufhören, dich schlecht zu fühlen.

Interessant ist auch, dass du nicht in allen Belangen der Partnerschaft der Partner mit dem schwächeren oder dem stärkeren Verlangen bist.


Du kannst als Mann beispielsweise der verlangensstärkere Partner sein, was Sexualität anbelangt, dich im Gegenzug aber weniger stark wie deine Partnerin nach einem Kind sehnen. In diesem Fall bist du der verlangensschwächere Partner, wenn es um die Familienplanung geht.


Wie ist es in deiner Beziehung?


Wenn du magst, kannst du deine Beziehung analysieren und schauen, in welchen Bereichen (beispielsweise dem Wunsch nach einer gemeinsamen Wohnung, Kindererziehung, Freunde besuchen, Zeit mit der Familie verbringen) du der verlangensstärkere Partner bist und umgekehrt.


Beide Positionen sind relativ. Partner mit schwächerem Verlangen müssen nicht zwangsweise überhaupt keine Sexualität mögen. Vielleicht magst du am liebsten 1x die Woche Sex, dein Partner aber lieber 2x die Woche. Schon bist du der Partner mit dem schwächeren Verlangen.


Keine Lust auf Sex & der biologische Trieb


Es hat überhaupt nichts mit deinem biologischen Trieb zu tun, ob dein Verlangen stark oder schwach ist und es gibt kein rechtes Maß, an dem Sexualität in Beziehungen gemessen wird. Wenn du und dein/e Partner/in glücklich sind, ist das Maß genau richtig.


Weil es so wichtig ist: starkes oder schwaches Verlangen sind keine Charakterzüge von dir und deshalb musst du dich deswegen auch nicht schlecht oder besser fühlen.

David Schnarch sagt, dass Probleme mit dem sexuellen Verlangen in JEDER Partnerschaft auftreten, also auch in gesunden und harmonischen Beziehungen.


Keine Lust auf Sex – weshalb der Partner mit dem schwächeren Verlangen die Kontrolle über den Sex hat


Vielleicht ist bei dir – wie bei mir – schon die ein oder andere Liebesbeziehung in die Brüche gegangen, weil das Verlangen nicht mehr da war.


Wir müssen uns klarmachen, dass Beziehungen nicht nur von unseren Gefühlen leben und dass die individuellen Gefühle nicht immer „richtig“ sind.


Auch wenn es dir widerstrebt, zu glauben, dass der verlangensschwächere Partner immer den Sex kontrolliert, ändert das nichts an der Gültigkeit.


Keine Lust auf Sex zu haben ist das Normalste der Welt.

Anfangs versucht der verlangensstärkere Partner wahrscheinlich, den Partner zu überreden. Aber weder betteln, kritisieren, einfordern noch Rückzug verändern die Problematik.


Du kannst deine/n Partner/in nicht dazu zwingen, mit dir zu schlafen – und musst damit klarkommen, dass sich dies auf Dauer negativ auf dein Selbstwertgefühl auswirkt, sofern du dies zulässt.


Wenn du der Partner mit dem schwächeren Verlangen bist, willst du diese Macht und Kontrolle vielleicht gar nicht und empfindest sie als Belastung.


Der verlangensschwächere Partner kontrolliert den Sex - unabhängig davon, ob er/sie es weiß oder will.

Dies bedeutet, du kannst dich davon lösen, dass dein/e Partner/in dir mit seiner/ihrer Lustlosigkeit etwas „antun“ will und diese Tatsache einfach akzeptieren.


Wie kontrolliert der verlangensschwächere Partner den Sex?


1. In fast allen Fällen wird sexuelle Aktivität von dem Partner mit dem schwächeren Verlangen initiiert.

2. Der Partner mit dem schwächeren Verlangen entscheidet, auf welche sexuellen Avancen des Partners er eingeht.

3. Letztendlich entscheidet er dadurch, wann es überhaupt zu Intimität kommt – sprich, er hat die Kontrolle über die Sexualität.


Keine Lust auf Sex heißt nicht, dass etwas falsch läuft


Wenn in einer Partnerschaft die Lust auf Sex abnimmt, fühlt sich mindestens ein Partner schlecht deswegen.


Wir glauben noch immer, dass mit einer Beziehung etwas nicht in Ordnung ist, wenn wir kein Verlangen haben.


David Schnarch ist der festen Überzeugung, dass es das Normalste der Welt ist und eher ein Zeichen dafür ist, DASS die Beziehung in Ordnung ist, wenn Probleme mit dem sexuellen Verlangen auftauchen.

Ihr könnt es als Paar überwinden, keine Lust auf Sex zu haben


Das bedeutet jedoch nicht, dass diese Probleme ignoriert werden sollten. Vielmehr empfiehlt David Schnarch, sie produktiv zu nutzen. Wir entwickeln uns für gewöhnlich immer dann weiter, wenn es ungemütlich wird. Und welch besseren Katalysator gibt es dafür, als Liebesbeziehungen?


Anders, als viele von uns denken, sind es nicht unsere Hormone oder Genitalien, die unser Verlangen anfeuern, sondern unser Gehirn.


Wir haben die Fähigkeit, Sex mit einer Bedeutung zu verbinden. Somit hat unser Verlangen starken Einfluss auf unseren Partner und unsere Beziehung – und umgekehrt.

Was du dir selbst, deinem Partner und deiner Beziehung gegenüber empfindest, ist für die Stärke deines Verlangens von großer Bedeutung.


Es reicht nicht aus, sexuelle Gewohnheiten zu durchbrechen, sondern es hängt mit Respekt vor dir selbst, Sympathie und Wertschätzung für deinen Partner sowie mit Leidenschaft und Erotik zusammen.


Neugierde als Schlüssel zu mehr Lust auf Sex


Um mit all diesen Komponenten besser umgehen zu können, ist eine gewisse Reife erforderlich.

Laut David Schnarch ist es möglich, die Flammen des sexuellen Verlangens wieder zu entfachen – sogar, wenn sie noch nie richtig gelodert haben.

  • Mach dir oder deinem Partner also nicht länger Vorwürfe, wenn das sexuelle Verlangen abgeflaut ist und keine Lust auf Sex da ist.

  • Nimm es nicht persönlich und lass deine Abwehr- und Verteidigungshaltung los.

  • Mit Neugierde kannst du deine persönliche Situation positiv verändern.


Wie das geht, erfährst du in Kürze hier auf meinem Blog.


Fazit


Es ist ganz normal, dass in Partnerschaften Probleme mit dem sexuellen Verlangen auftreten. Gleichzeitig bedeutet dies nicht, dass die Liebe verschwunden ist oder ihr euch trennen müsst.


Ganz im Gegenteil – dieser Umstand zwingt euch dazu, euch weiterzuentwickeln und eure Beziehung auf ein neues Level zu bringen.


In jeder Beziehung gibt es einen Partner mit einem starken und einen mit einem schwächeren Verlangen – nicht nur in Bezug auf Sex, sondern auch in allen anderen Bereichen der Beziehung wie Haushalt, Verwandtschaftsbesuche, Ordnung usw.


Der Partner mit dem schwächeren Verlangen kontrolliert immer den Sex, ob er das will oder nicht.


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Quelle


David Schnarch: Intimität und Verlangen - Verlag Klett-Cotta




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