Slow Sex - Erfülltes Liebesleben ohne Leistungsdruck

Aktualisiert: 18. Jan 2021


Behutsam ziehe ich meinen BH und mein Höschen aus. Im Hintergrund knistert ein gemütliches Kaminfeuer. Vor mir sitzt Falk. Auch er entledigt sich seiner Kleidung.


Wir blicken uns in die Augen. Was sich in der Theorie ganz einfach angefühlt hat, erscheint mir nun als Ding der Unmöglichkeit.


Wie kann ich mich mit einem Mann vereinigen, den ich nicht einmal küssen möchte? Meine Gedanken rasen. Wie bin ich überhaupt in diese abstruse Situation gekommen?


Funktioniert Slow Sex mit einem Fremden?


Seit geraumer Zeit beschäftige ich mich mit Tantra. Ich habe genug von mechanisch ablaufendem Sex. Immer öfter fühle ich mich, als liefe sowohl bei mir selbst als auch bei meinen Partnern ein gewisses Programm ab.


Es beginnt mit Küssen, geht über in Streicheln, Fingern, Lecken und endet schließlich in Sex, der nur ein Ziel zu haben scheint: Den anderen best- und schnellstmöglich zum Höhepunkt zu bringen. Zurück bleibt ein dumpfes Gefühl.


Das soll es jetzt gewesen sein? Wo ist die intime und transzendente Verbindung, die ich mir von Sex eigentlich wünsche?


Falk blickt mich an. Ich blicke auf Falks Penis. Alles in mir sträubt sich. Widerwillig muss ich mir eingestehen, dass ich dieses Slow Sex-Experiment nicht fertigbringe. Auch er sieht plötzlich nicht mehr allzu überzeugt aus und wir beschließen einstimmig, uns rasch wieder anzuziehen und uns weiter der Theorie zu widmen.


Doch was ist überhaupt Slow Sex?


Diana Richardson bringt es in ihrem Buch „Slow Sex - Zeit finden für die Liebe“ auf den Punkt:


„Beim Slow Sex geht es darum, sich ganz bewusst Zeit für Sex zu nehmen: Den eigenen Körper zu spüren, sich durch Augenkontakt und sanfte Berührung mit dem Partner zu verbinden, durch bewusstes Atmen jeden Moment wahrzunehmen und zu genießen. Entspannung und Achtsamkeit statt Leistungsdruck und Versagensängste, Kreativität statt mechanischer Wiederholung, liebevolles Geben und Nehmen statt reiner Sexgymnastik. So führt der Sexualakt durch die meditative, liebende Vereinigung weiblicher und männlicher Energie zu sanfter, fortwährender Ekstase - der spirituellen Verbindung mit dem Göttlichen.“


Slow Sex als Rettung für langjährige Beziehungen


So viel zur Theorie. Nur gibt es beim Thema Slow Sex – zumindest für mich – ein Problem: Er eignet sich insbesondere für Paare in langjährigen Beziehungen, weil diese bereits eine gewachsene, starke Verbindung aufgebaut haben. Natürlich kann es passieren, dass trotzdem das sexuelle Feuer erlischt.