Slow Sex - Erfülltes Liebesleben ohne Leistungsdruck

Aktualisiert: Sept 24


Behutsam ziehe ich meinen BH und mein Höschen aus. Im Hintergrund knistert ein gemütliches Kaminfeuer. Vor mir sitzt Falk. Auch er entledigt sich seiner Kleidung.


Wir blicken uns in die Augen. Was sich in der Theorie ganz einfach angefühlt hat, erscheint mir nun als Ding der Unmöglichkeit.


Wie kann ich mich mit einem Mann vereinigen, den ich nicht einmal küssen möchte? Meine Gedanken rasen. Wie bin ich überhaupt in diese abstruse Situation gekommen?


Funktioniert Slow Sex mit einem Fremden?


Seit geraumer Zeit beschäftige ich mich mit Tantra. Ich habe genug von mechanisch ablaufendem Sex. Immer öfter fühle ich mich, als liefe sowohl bei mir selbst als auch bei meinen Partnern ein gewisses Programm ab.


Es beginnt mit Küssen, geht über in Streicheln, Fingern, Lecken und endet schließlich in Sex, der nur ein Ziel zu haben scheint: Den anderen best- und schnellstmöglich zum Höhepunkt zu bringen. Zurück bleibt ein dumpfes Gefühl.


Das soll es jetzt gewesen sein? Wo ist die intime und transzendente Verbindung, die ich mir von Sex eigentlich wünsche?


Falk blickt mich an. Ich blicke auf Falks Penis. Alles in mir sträubt sich. Widerwillig muss ich mir eingestehen, dass ich dieses Slow Sex-Experiment nicht fertigbringe. Auch er sieht plötzlich nicht mehr allzu überzeugt aus und wir beschließen einstimmig, uns rasch wieder anzuziehen und uns weiter der Theorie zu widmen.


Doch was ist überhaupt Slow Sex?


Diana Richardson bringt es in ihrem Buch „Slow Sex - Zeit finden für die Liebe“ auf den Punkt:


„Beim Slow Sex geht es darum, sich ganz bewusst Zeit für Sex zu nehmen: Den eigenen Körper zu spüren, sich durch Augenkontakt und sanfte Berührung mit dem Partner zu verbinden, durch bewusstes Atmen jeden Moment wahrzunehmen und zu genießen. Entspannung und Achtsamkeit statt Leistungsdruck und Versagensängste, Kreativität statt mechanischer Wiederholung, liebevolles Geben und Nehmen statt reiner Sexgymnastik. So führt der Sexualakt durch die meditative, liebende Vereinigung weiblicher und männlicher Energie zu sanfter, fortwährender Ekstase - der spirituellen Verbindung mit dem Göttlichen.“


Slow Sex als Rettung für langjährige Beziehungen


So viel zur Theorie. Nur gibt es beim Thema Slow Sex – zumindest für mich – ein Problem: Er eignet sich insbesondere für Paare in langjährigen Beziehungen, weil diese bereits eine gewachsene, starke Verbindung aufgebaut haben. Natürlich kann es passieren, dass trotzdem das sexuelle Feuer erlischt.


Dann ist Slow Sex scheinbar ein probates Mittel, es wieder zu entfachen. Ich jedoch bin Single und weit und breit ist kein Partner in Sicht, der Lust hat auf dieses Experiment. Umso dankbarer bin ich, als ich im Liebesletter Falks Anzeige entdecke.


Der Liebesletter ist ein monatlich erscheinender Newsletter, der sich mit Veranstaltungen rund um Sexualität und Spiritualität in Leipzig beschäftigt.


Slow Sex als Experiment


Falk ist in seinem Gesuch auf der Suche nach einer Frau, die mit ihm den Slow-Sex-Onlinekurs von Yella und Samuel Cremer anschaut – und gegebenenfalls praktisch umsetzt. Meine Neugierde ist geweckt und ich schreibe ihm eine Nachricht.


Vom WhatsApp-Foto kann ich erkennen, dass er ungefähr in meinem Alter ist. Blonde, halblange Haare. Blaue Augen. Volle Lippen. Alternativer Kleidungsstil. Wenige Tage später sitzen wir uns zum ersten Mal in einem Café gegenüber.


Wären wir uns bei einer Veranstaltung über den Weg gelaufen, wäre er mir wahrscheinlich nicht aufgefallen. Aber auf geistiger Ebene harmonieren wir hervorragend und ich beschließe, das Experiment mit ihm zu wagen.


Heißer versus kühler Sex


Einige Treffen vergehen, in denen wir uns dem Onlinekurs „Lustlauschen“ widmen und intensiv über Slow Sex diskutieren. Während in der westlichen Welt überwiegend „heißer Sex“ praktiziert wird, bewegt sich Slow Sex in kühleren Gefilden.


„Statt viel zu machen, möchte der Körper einfach sein. Beim Slow Sex tritt man einen Schritt zurück und beobachtet sich selbst, statt alles darauf auszurichten, einen Höhepunkt zu erreichen. Das heißt, man wird nicht so heiß, sondern bleibt eher im kühlen Bereich, denn Langsamkeit nimmt dem Sex die Hitze. Das ist gut, denn die zarten Wurzeln des Glücks und der Ekstase mögen lieber ein kühles Klima als ein heißes,“ beschreibt Diana Richardson in ihrem Buch „Slow Sex“.


Mir erscheint dies nachvollziehbar, da in der Hitze der Leidenschaft schnell die subtilen, feinen Energieregungen des eigenen Körpers verloren gehen.


Woher kommt Slow Sex?


Yella und Samuel Cremer haben sich bei ihrem Onlinekurs zum Thema Slow Sex von der Paartherapeutin Diana Richardson, den spirituellen Lehrern Osho und Barry Long und bei der Lehre des Karezza inspirieren lassen.


Vom Schriftsteller Aldous Huxley, dessen "Schöne neue Welt" zu den einflussreichsten Büchern des 20. Jahrhunderts zählt, wurde Karezza als "inniges Ineinandersein" definiert, bei dem zärtliche Bewegungen nicht zum Orgasmus führen sollten.


Wissenschaftlich Interessierten empfiehlt Samuel das Buch „Das Gift an Amors Pfeil“ von Marnia Robinson: „Sie und ihr Mann haben beide enorme wissenschaftliche Recherchen betrieben. In dem Buch steht sehr viel über die Biochemie beim Sex und beim Orgasmus sowie über die Biochemie der Monogamie. Die Wissenschaft hat längst bewiesen, dass Orgasmen zu Trennungen und zu Reizbarkeit führen können und im Grunde gegen die Monogamie arbeiten – oder zumindest gegen langfristige Beziehungen.“


Wie funktioniert Slow Sex konkret?


Laut Samuel Cremer kommt es beim Slow Sex auf Folgendes an:


„In unserem Onlinekurs sprechen wir von Achtsamkeit, von Entspannung und von Absichtslosigkeit. Das sind die drei entscheidenden Zutaten für Slow Sex. Wir empfehlen dabei ganz klar, erst einmal in der Lernphase auf den Orgasmus zu verzichten und zu merken, wie läuft eigentlich unser Sex, wenn wir von vornherein beschließen, keinen Orgasmus zu haben.


Was machen wir dann? Man spielt seine Erregung automatisch nicht zu hoch, damit man am Ende nicht frustriert ist, dass man keinen Orgasmus hatte. Sehr bald stellt sich eine Absichtslosigkeit ein. Daraus entsteht dann eine Achtsamkeit, eine Entspannung. Natürlich braucht man auch einen schönen Raum, Vorbereitung und Zeit, Kissen und Gleitgel und all diese Dinge, aber dies findet auf einer anderen Ebene statt.“


In welcher Stellung wird Slow Sex praktiziert?


Eine gute Position, um Slow Sex aktiv zu praktizieren, ist laut Diana Richardson die seitliche Scherenstellung, bei der die Frau auf dem Rücken liegt, während der Mann auf der Seite liegt. Dabei verschränken sich die Beine scherenartig ineinander und die Genitalien verbinden sich. Dies ist unter Zuhilfenahme von Gleitgel oder Öl auch ohne Erektion möglich.


Zunächst liegen beide Partner ineinander verbunden da und atmen tief. Wer mag, schließt die Augen, um besser wahrnehmen zu können, was im eigenen Körper geschieht. Diana Richardson beschreibt in ihrem Buch, dass es wichtig sei, es langsam angehen zu lassen und keine große Erwartungen zu haben. Die Veränderungen, die eintreten, seien eher fein und geschähen allmählich.


Welche Vorteile hat Slow Sex?


Es gibt zahlreiche Vorteile, die die Slow-Sex-Praxis mit sich bringt. Laut Richardson zählen dazu tiefe Zufriedenheit, Selbstliebe und aufgrund der tieferen Verbundenheit mit sich selbst auch eine intensivere Verbindung zu anderen.


Die Beziehung würde harmonischer und verständnisvoller, es komme zu weniger Streitigkeiten und Kontroversen zwischen den Egos und daher auch zu weniger Hochs und Tiefs in der Liebe.


Durch bewussten, langsamen Sex seien ein inspirierter, kreativer Zustand und tiefere Einsichten möglich. Aber auch die Gesundheit verbessere sich und das Immunsystem werde gestärkt, wenn die Anspannung und der Druck im Sex nachließen.


Wie lässt sich Slow Sex lernen?


Slow Sex lässt sich im Rahmen eines Seminars erlernen, beispielsweise in einem Making Love Retreat von Hella Suderow und Christian Schumacher. In Berlin werden Retreats angeboten, die sich mit dem Thema Slow Sex beschäftigen. Diana und Michael Richardson halten seit vielen Jahren Seminare in der Schweiz ab.


Aber auch ein Onlinekurs ist geeignet, um sich als Paar dem Thema Slow Sex anzunähern. Yella und Samuel Cremer bieten auf ihrer Homepage einen dreimonatigen Onlinekurs für Paare an, die zusammenbleiben wollen, auch wenn die Leidenschaft über die Jahre verloren gegangen ist.


Welche Spielregeln gelten beim Slow Sex?


Zurhorst ist Autorin des Buches „Soul Sex – Die körperliche Liebe neu entdecken.“ Sie ist davon überzeugt, dass Sex häufig die Wurzel aller Paarprobleme ist – aber auch deren Heilung bewirken kann.


Als Spielregeln für den neuen, achtsamen Sex definiert sie, keine wechselnden Partner zu haben, da Vertrauen die Basis für diese Art von Begegnung sei. Wahrscheinlich ist mein Slow Sex-Experiment mit Falk auch aus diesem Grund gescheitert.


Was ist für Slow Sex nötig?


Um tiefe Verbundenheit zu spüren, ist eine längere Liebesbeziehung nötig. Freundschaftliche Gefühle allein reichen hierfür nicht aus, wie ich jetzt aus eigener Erfahrung weiß.


Eva-Maria Zurhorst weist außerdem darauf hin, Sex nicht als Machtmittel zu missbrauchen. Wichtig sei, verletzlich und ehrlich zu bleiben, weil das die Grundvoraussetzungen seien, um sich beim Sex emotional und körperlich wirklich öffnen zu können.


Zeit ist für Slow Sex essentiell


Unter anderem macht die Autorin in ihrem Buch deutlich, dass es darauf ankommt, sich Zeit zu nehmen und regelmäßige Termine für den kühleren Sex zu vereinbaren. Eine gewisse Kontinuität sei erforderlich, damit emotionale Mauern und alte Ängste wirklich abgebaut werden können.


Übrigens sind Soul Sex und Slow Sex einfach nur unterschiedliche Begriffe für die gleiche Art von Intimität.


Der Orgasmus ist beim Slow Sex nicht das Ziel


Beim Slow Sex geht es nicht um Ergebnisse, sondern um Annahme und Präsenz. Nach dem gescheiterten Slow Sex-Experiment mit Falk habe ich mich erstmal auf eine Forschungsreise zu meinem Körper begeben und meiner eigenen Sinnlichkeit nachgespürt.


Ich habe eine tägliche Kundalini-Yoga-Praxis, Meditation und Übungen mit dem Yoni Egg etabliert, was mir dabei geholfen hat, meine Empfindungsfähigkeit zu erhöhen.


Slow Sex mit dem richtigen Partner


Auch wenn das Experiment Slow Sex im ersten Anlauf missglückt ist: Es lohnt sich, auf den richtigen Partner zu warten und Slow Sex zusätzlich zum normalen, heißen Sex in das Liebesleben zu integrieren. Erfreulicherweise ist dieser vor kurzem in mein Leben getreten.


Wir sitzen nackt voreinander, schauen uns in die Augen und vereinigen uns behutsam. Ich spüre in mich hinein. Er spürt in sich hinein. Wir lassen alles los: sämtliche Erwartungen, Leistungsdruck, alles, was wir von bisherigem Sex kennen. Stattdessen konzentrieren wir uns auf unseren Atem und nehmen wahr, was in unserem Körper passiert.


Slow Sex erfordert Geduld und Übung


Bei den ersten Versuchen fällt es mir schwer, still zu bleiben, anstatt die Lust durch gezielte Bewegungen zu steigern. Doch nach und nach geschieht etwas: Ich durchlebe verschiedene Phasen von Schmerz und Trauer, während Tränen aus meinen Augen fließen. Mein Partner bewegt sich nicht und bleibt einfach in mir.


Langsam verändert sich die Energie zwischen uns und ich spüre, wie mein ganzer Körper beginnt, zu kribbeln. Als wir uns nach zwei Stunden voneinander lösen, fühle ich mich mit ihm verbunden wie nie zuvor – das alleine ist für mich ein Grund, Slow Sex weiter zu erforschen.

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